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Swingender Livestream aus Wallisellen

Vollblutmusiker lassen sich von Corona nicht in die Knie zwingen. Zwar wurde diesmal vor fast leeren Reihen im Saal zum Doktorhaus beschwingt in den Frühling gestartet, doch über 700 Zuschauer holten sich Shake, Rattle & Roll digital ins eigene Wohnzimmer.

Edgar Eberhard


Immer im Mai steigt jeweils im Saal des Doktorhauses Wallisellen die einzigartige Musikshow mit Rhythmen aus längst vergangenen Tagen, die Füsse und Herz zum Tanzen bringen. Die Klänge aus echten Instrumenten, von erdigem und groovigem Sound und der ansteckenden Spielfreude bekannter Künstler aus der Swing-, Jazz- und Boogie-Szene stecken jeweils das Publikum an. Doch ein mikrokleines Virus spielt seit mehr als einem Jahr auch bei der Veranstaltung «Swing the Spring» den grossen Spielverderber. Aus bekannten Gründen musste leider das letztjährige Konzert vom 14. Mai abgesagt und auf den 19. Mai dieses Jahres verschoben werden. Doch auch dieses Konzert konnte nicht im gewohnten Rahmen – vor einer grossen Publikumskulisse – stattfinden. Und so veranstalteten die Organisatoren kurzerhand ein Livestream- Konzert am selben Datum ab 20 Uhr. «Wir wollten das Konzert unbedingt durchführen – auch unter etwas anderen Umständen», erklärte OK-Mitglied Oskar Gut im Vorfeld zum Anlass. Die Künstler spielten im Saal zum Doktorhaus vor einem sehr überschaubaren Publikum – Sponsorenvertreter, Angehörige von Musikern, Techniker und Medienschaffende – auf, während die über 700 der Swing- und Boogie-Fans das Konzert via Livestream von zu Hause aus kostenlos geniessen konnten. Den Auftakt machte Jungtalent Ennio Hess am Klavier, welcher von Mario Von Holten, Drums, und Arno Schulz am Kontrabass begleitet wurde. Dann machte Hess dem ebenfalls noch jungen Valentin Amman Platz. Anschliessend formierten sich die «Oldies» auf der Bühne. Saxofonist Duke Seidmann, Joe Schwach (Gitarre), Dave Ruosch (Klavier), Ray Fein (Klavier und Entertainer), Moritz Schlanke (Gesang und Moderation) sowie Chris Conz (Klavier und Arrangeur) gaben in wechselnder Besetzung Klassiker wie den «St. Lous Blues», fetzige Honkytonks, federnde Boogies und Balladen zum Besten. Spezielle Herausforderung Dabei hat sich Ray Fein mit seiner lebhaften und schalkhaften Bühnenpr.senz in Szene gesetzt und alle Musikerkollegen zu groovigem Sound mitgerissen. Zum Abschluss des rund 90-minütigen Konzerts war noch Jammen mit allen Musikern angesagt. Mit dem Klassiker «Shake, Rattle und Roll», bei welchem die Klaviertasten sogar von fünf Händepaaren bearbeitet wurden, sollte der swingende, bluesige und rockige Konzertabend beendet werden. Doch das wenn auch kleine, jedoch begeisterte Publikum verlangte noch Zugaben, die natürlich auch noch gewährt wurden. Für die Musiker war dieses Konzert eine spezielle Herausforderung: vor einem praktisch nicht existierenden Publikum aufzuspielen. Doch alle Musiker waren froh, wieder einmal gemeinsam – wenn auch vor einer kleinen Zuhörerschaft – auftreten zu können. Entertainer und Boogie-Pianist Ray Fein meinte denn auch: «Ich bin das nicht gewohnt, und es ist auch etwas schwierig, ohne das Feedback aus dem Saal zu spielen.» Es fehlten die Atmosphäre und der Applaus des Publikums. Dazu gebe es keinen Dialog, und niemand heize an. «Doch wir sind praktisch alle Profis, und wir haben unser Bestes gegeben, und für uns hat es trotzdem noch viel Spass gemacht, und wir freuen uns alle auf das nächste Swing the Spring in Wallisellen im Mai 2022.»


ANZEIGER VON WALLISELLEN - 27. Mai 2021

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